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Edmund Siemers: Der Forschung, der Lehre, der Bildung – und der Inszenierung?

12. Mai 2019 admin Keine Kommentare

ESA H. Als Erstsemester musste ich erst einmal Nachforschungen anstellen, um herauszufinden, was sich hinter diesem Kürzel verbirgt. Die European Space Agency war es wohl kaum. Ich fand den Hörsaal H in der Edmund-Siemers-Alle 1. Ein schönes Gebäude, so habe ich mir „Universität“ immer vorgestellt. Ein Beitrag von Carlotta Reinhardt.

Der Namensgeber der Straße, Edmund Siemers, war ein reicher Kaufmann und der Stifter des Vorlesungs- und heutigen Hauptgebäudes der Uni Hamburg. Er wurde 1840 geboren. Unternehmerisch zeichnete er sich vor allem durch seine Flexibilität aus. Er war ein Pionier im Petroleumhandel, dann Importeur von Chilesalpeter, baute eine Segelschiff- und Dampferflotte auf, war Bauunternehmer und Großgrundbesitzer.

Büste Edmund Siemers im Vorlesungsgebäude. Foto: Sascha Krüger

Sein Vermögen war die Grundlage dafür, dass Edmund Siemers als Stifter auftreten konnte. Seine beiden größten Stiftungen waren die Lungenheilstätte Edmundstal-Siemerswalde – ja, sie hieß wirklich so – in Geesthacht und das Vorlesungsgebäude auf der Moorweide. Die Häuser der Lungenheilstätte trugen übrigens zusätzlich die Namen seiner Kinder. Edmund Siemers hatte die eigene Inszenierung immer im Blick, was nicht unkritisiert blieb. Durch Tagebucheinträge weiß man aber auch, dass Siemers der Gesellschaft etwas zurückgeben und sie mitgestalten wollte.

Siemers und von Melle – Stifter und Anstifter

Ursprünglich hatte Siemers vor, viel Geld für einen Anbau an der Hamburger Kunsthalle zu stiften, doch – zufällig oder nicht – schrieb Bürgermeister Werner von Melle 1907 an Edmund Siemers: „Würde ein solches Gebäude [gemeint ist das Vorlesungsgebäude] von Gönnern des Vorles[ung]swesens geschenkt, […], so würde das eine nicht dankbar genug anzuerkennende großartige Unterstützung der wissenschaftl. Bestreb[un]gen H[am]b[ur]gs sein.“[1] Von Melle hatte Siemers davon überzeugt, dass das Vorlesungsgebäude eine größere Wirkung entfalte als ein Erweiterungsbau der Kunsthalle.
Für seine Schenkung des Vorlesungsgebäudes stellte Edmund Siemers einige Bedingungen, unter anderem: „daß der Staat bereit ist, den erforderlichen Bauplatz auf der Moorweide an der Grindelallee […] unentgeltlich und lastenfrei zur Verfügung zu stellen […]“ und „daß der Staat sich verpflichtet […] der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung die für ihre Vorlesungen […] erforderlichen Räume mit Heizung, Licht und Bedienung unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.“ Hinter diesen Forderungen stand eigentlich Werner von Melle, der beispielsweise den Standort für den Bau alleine im Senat nicht durchbekommen hätte. Siemers nahm aber auch Einfluss auf die Planung des Gebäudes. So geht unter anderem die Inschrift „Der Forschung, der Lehre, der Bildung“ auf ihn zurück.

Dem Stifter eine Stiftung

Eröffnet wurde das Gebäude am 12. Mai 1911. Auf der Feier – zufällig oder inszeniert an Siemers 70. Geburtstag – wurde die Büste Edmund Siemers im Flur des Gebäudes enthüllt. Die Stifter der Büste hatten sie sich als „einen organischen Bestandteil des Gebäudes, als seinen eigentlichen Schlussstein und sein glückverheißendes Wahrzeichen“ gedacht. 1912 besuchte sogar Kaiser Wilhelm II. das Vorlesungsgebäude und hörte sich einen Vortrag im großen Hörsaal A an. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hamburg aber noch keine Universität, die Gründung folgte erst nach dem Ersten Weltkrieg 1919.

Der Haupteingang des ESA 1. Foto: Sascha Krüger

Wenn eine Vorlesung im ESA doch einmal Freiraum für andere Gedanken lässt, versetze ich mich in die Zeit damals. Das Gebäude hat anders ausgesehen als heute. Es gab aufwändige Deckenmalereien, die irgendwann einfach übergemalt wurden. Die Glasfenster wurden im zweiten Weltkrieg zerstört. Für damalige Verhältnisse war das Gebäude sehr modern ausgestattet, was es durch eine Renovierung auch heute noch ist. Ich genieße es, den Blick durch dieses Gebäude schweifen zu lassen. Es ist das Gebäude der Universität und ganz im hier und jetzt angekommen.

Liebes Uni-Gebäude, ich wünsche dir für die nächsten 100 Jahre, dass du dich so gut hältst wie die letzten 100 Jahre – für die Forschung, die Lehre und die Bildung. Carlotta Reinhardt

Quellen

[1]dieses und alle folgenden Zitate stammen aus dem Buch: Gerhardt, Johannes: Edmund Siemers. Unternehmer und Stifter. Hamburg: Hamburg University Press 2014.

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