custom header picture

Flugblätter im Wandel

27. April 2019 admin Keine Kommentare

Die Universität Hamburg wird 100 Jahre alt und mit ihr auch die Tradition der studentischen Veröffentlichungen auf Flugblättern, die sich in großer Menge in den Mensen und an diversen anderen Orten innerhalb der Universität finden lassen. Ein Beitrag von Dörte Olivier.

In der Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte befindet sich eine umfangreiche Sammlung dieser besonderen studentischen Perspektive, die von Dr. Eckart Krause in den vergangenen Jahrzenten akribisch zusammen getragen wurde – ergänzt durch eine Spende – und mittlerweile rund 15.000 Stücke umfasst. Die Zeitspanne reicht zurück bis in die 1960er-Jahre.

Gestern

Viele der Flugblätter stammen von gewählten Gremien wie etwa dem AStA oder den Fachschaften, eine weitere größere Autorengruppe stellen politische Hochschulgruppen dar. Ein Beispiel ist die hier abgebildete AstA-Info aus dem Wintersemester 1967/68. In diesem Flugblatt werden die Studierenden gesiezt und es handelt sich um einseitig – vermutlich mit einer Schreibmaschine – beschriebene Papiere im DIN A 4-Format. Inhaltlich wird unter anderem ein neues Wohnheim beworben, in dem Wohnungen mit vier Einzelzimmern und gemeinsamer Küche und Bad vermietet werden; durchaus ähnlich zu heute, allerdings zu einem Preis von hundert Mark pro Zimmer, einem Preis, von dem heutige Studierende vermutlich träumen. Des Weiteren wird für den „Studentenball“ im Hotel Atlantic geworben und ein Studentenarzt erinnert daran, dass alle von ihm gegen Grippe Geimpften einen Fragebogen ausfüllen sollten – dies wird anscheinend sogar im Rahmen einer Verlosung mit einer Studentenreise inklusive Taschengeld nach Paris belohnt! Für heutige Verhältnisse unvorstellbar ist auch die Information, dass bei Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Anti-Baby-Pille das Sozialreferat des AStA mit Arzt-Adressen weiterhelfen kann.

AStA-Info vom 5. Januar 1968. Quelle: Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte, Flugblattsammlung, Ordner WS1967/68: AStA-Info – Informationen des Allgemeinen Studentenausschusses der Universität Hamburg vom 05.01.1968

Heute

Im Gegensatz zu den Anfängen der Flugblattsammlung in den 1960er-Jahren ist die Autorenschaft der Flugblätter mittlerweile deutlich diverser geworden. Viele verschiedene (auch unpolitische) Studierendenorganisationen nutzen dieses Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen. Auch die Organisation AIESEC bewirbt ihren Infoabend zu Beginn des Wintersemesters 2011 mit einem Flyer. Dieser ist in einem deutlich handlicheren Format doppelseitig bedruckt und versucht, durch Satire Aufmerksamkeit zu erregen. Auch die AStA news haben sich im Vergleich zu ihrer Vorgängerversion von 1967 deutlich weiterentwickelt. Ebenfalls am Computer erstellt, enthalten sie dennoch deutlich mehr Text als die kurzen Info-Flyer von AIESEC. Die Studierenden werden mittlerweile geduzt und inhaltlich werden die neuen Studierenden des Wintersemesters willkommen geheißen. Verbunden ist dies mit einer Information zu drohenden Finanzierungskürzungen der Universität und dem Aufruf, sich hiergegen zur Wehr zu setzen.

Info-Flyer von AIESEC vom 27.10.2011. Quelle: Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte, Flugblattsammlung, Ordner WS2010/11 – WS11/12

AStA news vom 19.10.11. Quelle: Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte, Flugblattsammlung, Ordner WS2010/11 – WS11/12

Morgen?

Wie wird sich die Tradition der Flugblätter fortsetzen? Sind sie in Zeiten der Digitalisierung überhaupt noch von Nutzen? Die Zeit wird dies zeigen, doch angesichts der derzeitigen Menge an Flugblättern bei einem Streifzug durch Mensa und Campus kann wohl davon ausgegangen werden. Zur Weckung der Aufmerksamkeit sind sie derzeit jedenfalls aus dem Universitätsalltag nicht wegzudenken und womöglich auch in hundert Jahren hier noch anzutreffen!

Herzlichen Glückwunsch zu 100 Jahren erfolgreicher Bildungsgeschichte! Mögen die nächsten 100 Jahre genauso erfolgreich, spannend und lehrreich sein und weiterhin vielen Studierenden und Wissenschaftlern ein Zuhause bieten. Dörte Olivier

Quellen

Guhl, A.F., Habscheidt, M., Jaeger, A. (2013). Über den wissenschaftlichen Wert flüchtiger Quellen. Das Flugblattarchiv der Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte – Eine Würdigung des Sammelns. in: Gelebte Universitätsgeschichte: Erträge jüngster Forschung Eckart Krause zum 70. Geburtstag.

Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte der Universität Hamburg: Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte, Flugblattsammlung.

 

 

Tags




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.