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Globalisierung und Digitalisierung in Bildung und Medizin (Teil I)

01. April 2019 admin Keine Kommentare

Die Welt verändert sich: Digitalisierung, Globalisierung, Individualisierung. Seit den so genannten „00er-Jahren“ scheint nichts beständiger als der ständige Wandel. Dies wird durch den Einzug von Social Media in die Unternehmenswelt verstärkt und wirkt auf alle Bereiche – auch auf die Bildung und Universitäten. Ein Beitrag von Adnan Hariri, Humam Tarasi und Ibrahim Arrouk.

Der Begriff der Globalisierung ist ein fast schon überstrapazierter Begriff, der unzählige Phänomene zusammenfasst. Gemeint ist mit diesem Wort aber oft nur eine Annäherung aller Länder aneinander, die auch mit Hilfe der Medien, hier vor allem des Internets, erfolgt und als begleitendes Phänomen sicher auch in Zukunft eine große Rolle spielen wird.

Globalisierung ist Vernetzung

Globalisierung findet nicht nur in Handelsbeziehungen statt, sondern auch in so wichtigen Bereichen wie der Bildung. Bildung umfasst hier natürlich mehrere Phasen: Sie beginnt schon beim Kleinkind, begleitet den Jugendlichen durch Schule und Ausbildung und macht dann noch lange nicht Halt. Bildung, Lernen, Informationsgewinn und -austausch erfolgt heutzutage lebenslang!
Globalisierung heißt hierbei natürlich nicht, dass überall nun die gleichen Lehrpläne eingeführt würden. Jedes Land hat seine Geschichte, seine Schwerpunkte, auch seine wirtschaftlicher Art. Daran richten sich natürlich auch die Bildung und ihre Zielsetzung aus. Ein Land, das sich gerade anschickt, Anschluss an den Weltmarkt zu gewinnen, wird im Bereich der Bildung ganz andere Schwerpunkte setzen, als ein Land, das bereits einen komfortablen Platz erreicht hat und diesen nun zu halten oder gar auszubauen versucht.

Den Elfenbeinturm digital aufbrechen

Da zu jedem neuen Phänomen auch diverse Szenarien und Visionen zu haben sind, kann man die Zukunft der Bildung ruhig etwas visionär betrachten. Ein Professor ging in den Vereinigten Staaten vor einigen Jahren schon einmal mutig voran, indem er der Globalisierung sein persönliches Gesicht verlieh. Dieser Mann machte den mutigen Schritt, den Elfenbeinturm sozusagen digital zu verlassen bzw. diesen Turm in neuartiger Weise zu erweitern, indem er seine Vorlesungen für jedermann zugänglich online abhielt. Fragen der Immatrikulation, der Tests und der Prüfungsordnung einmal beiseitegestellt, ist dieser Vorstoß in Richtung „Bildung für alle“ epochal. Bestimmte Informationen nicht mehr nur einer zahlenmäßig kleinen Elite (in vielen Fällen gegen gutes Geld) zu gewähren, sondern rein theoretisch allen, die Interesse daran zeigen, das war eine kleine, von seinen Kollegen auch misstrauisch beäugte Sensation.
Ob sich nun jeder darüber freut, bestimmte Formeln der höheren Mathematik im Internet erläutert zu bekommen, ist hier sicher ein Nebenschauplatz der Diskussion. Nicht jeder muss sich für alles interessieren, aber die Option, dass wirklich jeder an alle Informationen herankommen kann, hat schon etwas Faszinierendes. Bildung – „free for all“.

Verdichtung menschlicher Interaktion

 „Bildung der Globalisierung“ ist hier nicht als Wortspiel mit der Mehrdeutigkeit von „Bildung“ zu verstehen, sondern behauptet tatsächlich, dass der Globalisierungsprozess selbst in entscheidender Weise von der seit der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts weltweit stark zunehmenden Bildungsbeteiligung abhängt. Das ist damit begründet, dass das, was mit Globalisierung in der Regel gemeint ist, eine Verdichtung menschlicher Interaktionen auch über geographische Räume hinweg und eine Zunahme gesellschaftlicher Interdependenzen, entscheidend an Literalität im Sinne des englischen Literacy-Konzepts gebunden ist. Globalisierung setzt voraus, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung über einschlägige Bildungserfahrungen im Sinne einer vieljährigen Schulzeit verfügt, die oft weit ins dritte Lebensjahrzehnt reicht. Darüber hinaus wird die These angesprochen, dass sich die Bedeutung des internationalen Vergleichs im Lichte globaler Perspektiven ebenfalls verändert. Dies zeigt sich besonders in der Retrospektive, in der Betrachtung der eigenen Disziplingeschichte aus einem anderen Blickwinkel. In allen drei Zusammenhängen spielen Kultur und Politik eine wesentliche Rolle. Kultur, weil es um eine kulturwissenschaftliche Betrachtung dieser Zusammenhänge geht, und Politik, weil Politik und Pädagogik in modernen Gesellschaften eng aufeinander bezogen sind, auch wenn dies wechselseitig oft ausgeklammert bleibt.

Medizin profitiert

Die Globalisierung hat auch Leistungsmessungssysteme verbessert, so dass der Zugang zur Universität frei ist und allen offen steht, ganz gleich welchen sozialen, ethnischen oder religiösen Hintergrund die Menschen haben und ob es sich um Jungen oder um Mädchen handelt. Das Medizinstudium und die Medizin haben von der Globalisierung enorm profitiert. Der Einfluss der Globalisierung auf die beiden kann anhand von vielen Fällen erläutert werden. Die Medizinstudierenden haben die Möglichkeit, an einer Online-Vorlesung teilzunehmen, die in einem anderen Land stattfindet. Und der Studierendenaustausch zwischen verschiedenen Ländern der Welt, ermöglicht angehenden Ärztinnen und Ärzten ihr praktisches Jahr abzuschließen und neue Erfahrung zu sammeln. Außerdem profitiert auch die Weiterbildung des Medizinstudiums von der Globalisierung, wobei viele Ärztinnen und Ärzte die Facharztausbildung in anderen Ländern machen, da sie sich andere Fälle und Erkrankungen anschauen wollen. Die Medizinpraxis hat ebenfalls enorm von der Globalisierung profitiert, wobei viele Geräte, die zur Diagnostik und Therapie verwendet werden, größtenteils in Industrieländern und manchen Schwellenländern produziert und in die Entwicklungsländer exportiert werden. Alle Fortschritte der klinischen Forschung sind dem Informationsaustausch zwischen den Nationen zu verdanken.

Wir gratulieren der Uni Hamburg herzlich zu ihrem 100-jährigen Jubiläum und wünschen ihr erfolgreiche Fortführung der hervorragenden Arbeit, der zielorientierten Ausbildung der Studierenden in allen Fachgebieten, die durch modernste Technik unterstützt wird. Und dass sie weiter offen für Studierende aus dem Ausland bleibt und diese fördert, so dass wissenschaftlicher und interkultureller Austausch bestens erfolgen kann. Herzlichen Glückwunsch! Ibrahim Arrouk, Adnan Hariri, und Humam Tarazi

 

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