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Exzellenz-Förderung: Eine Chance für die MIN-Fakultät? (Teil 1)

21. Februar 2019 admin 1 Kommentar

Mit exzellenten Clustern erreichte die Uni Hamburg Ende September 2018 vier Bewilligungen zur Förderung im Rahmen der Exzellenzstrategie. Wir haben uns mit der Prodekanin für Forschung, Technologietransfer und Gleichstellung, Prof. Dr. Julia Kehr, über die Chancen, Risiken und die Entwicklung einer solchen Förderung unterhalten. Wir, das sind Daniel Bein und Roderich Meißner.

Entwicklung und Ausrichtung der Exzellenz-Cluster

Wie sieht denn die Vergangenheit zu dem Ganzen aus? Ist die Uni Hamburg schon seit Beginn dabei?

Die Uni hat mit einem Cluster gestartet und hatte in der letzten Runde dann zwei: Klimawissenschaften und das Center for Ultrafast Imaging. Jetzt sind es vier, wobei zwei davon praktisch Nachfolgeprojekte der bestehenden Cluster sind.“

War es in der Vergangenheit so, dass mehrere Anträge gestellt wurden?

Nein, letztes Mal wurden nur zwei gestellt. Obwohl die Physik einen zweiten Antrag neben dem CUI stellen wollte, hat die Uni-Leitung das abgelehnt, da sie meinten, zwei Anträge aus einem Fachbereich schmälerten die Erfolgschancen für beide. Das mag damals so gewesen sein. Dieses Mal sind sie dann mit einem zweiten ins Rennen gegangen und niemand hat sich daran gestört. Politik kam hier also anscheinend nicht ins Spiel.“

Gibt es Gründe für den Anstieg der Cluster-Anzahl? Ist die Forschung besonders gut geworden, hat Hamburg bestimmte Leute angezogen oder neue Konzepte verwirklicht?

Es ist Einiges getan worden. Man hat erkannt, dass man für Exzellenz etwas tun muss. Das war früher in Hamburg eher etwas verpönt und ist es zum Teil auch jetzt noch. Eine große Universität mit allen Fächern ist das Gegenteil von dem, was man von Exzellenz-Clustern erwartet. Da muss man irgendwann ein Gleichgewicht zwischen der Exzellenz-Entwicklung und winzigen Fächern finden. Früher hat die Uni auch nicht an weltweiten Rankings teilgenommen. Jetzt wird geschaut, wie man in diesen weiter aufsteigen kann.“

Gibt es einen Grund dafür, dass die Exzellenz-Cluster bis auf die Kooperation mit den Geisteswissenschaften alle in der MIN-Fakultät sind? Ist es für exzellente Forschung charakteristisch, in erster Linie in der MIN-Fakultät stattzufinden?

Ich denke, die meisten Exzellenz-Cluster kommen aus den Naturwissenschaften oder haben zumindest eine naturwissenschaftliche Beteiligung. Wahrscheinlich deshalb, weil hier der wissenschaftliche Output leichter zu messen ist. Ausgehend von Veröffentlichungen hat ein naturwissenschaftlicher Professor dort wesentlich mehr und wesentlich Hochrangigeres zu bieten als ein Professor in den Geisteswissenschaften, obwohl das nicht heißt, dass dieser schlechtere Forschung betreibt. Man kann es nur schlechter messen.“

Vielleicht wird auch die gesellschaftliche Relevanz mit einbezogen? Man könnte sich vorstellen, dass manche Forschung exzellent ist, man sich dort aber fragt, wie weit das die Gesellschaft voran bringt.

Das ist mit Sicherheit ein Aspekt. Hierbei ist es spannend, dass es die Manuskriptkulturen geschafft haben, insbesondere da hier eine Kombination vorliegt. Man liest nicht nur alte Schriften, sondern kann mit naturwissenschaftlichen Methoden nun auch noch erfahren, was dort vorher geschrieben stand und um was für Materialien es sich handelt.“

Reine Exzellenz ist das Kriterium

Was waren denn die Kriterien, damit ein Antrag angenommen wird?

Eigentlich reine Exzellenz.“

Das ist ja ein Wort, das recht dehnbar ist.

„Natürlich, doch es heißt immer: Exzellenz ist das Kriterium, nicht die Forschungsrichtung. Das Projekt muss überzeugen, der Projektplan muss spannend sein und nicht nur die Wissenschaft sondern auch die Universität oder den Standort strukturell nach vorne bringen.“

Kann ein Cluster, auch wenn er nicht exzellent gefördert wird, trotzdem Fördergelder beantragen?

Mit einem abgelehnten Konzept könnte man als Sonderforschungsbereich Fördergelder beantragen – kleiner, weniger Geld und deutschlandweit sowie international weniger sichtbar. Davon mag man halten, was man will, aber danach wird eine Universität von außen beurteilt. Daher ist es wichtig, bei der Exzellenzstrategie mitzumachen. Hinsichtlich dessen, dass man zwei große Physik-Cluster hat, fragt man sich auch, was mit dem Teil der Physik passiert, der nicht zu den Clustern gehört. Cluster haben eine fokussierende Wirkung von Geld und Ressourcen.“

Wir merken das auch an der Chemie-Fakultät, weil die Organik und Anorganik noch sehr alt wirken, wohingegen die Physikalische Chemie sehr gut ausgestattet ist.

Und das kommt genau durch so etwas. Wenn man im CUI-Cluster ist, ist es auch leichter, mal ein Labor renoviert zu bekommen und Ausstattung zu kaufen. Das ist alles nicht ohne Probleme.“

Es ist eine äußerst bemerkenswerte Leistung der Universität Hamburg, zu ihrem 100-jährigen Geburtstag nicht nur breit aufgestellt, sondern auch exzellent zu sein. Hierzu und zu der Förderung der kommenden Jahre gratuliere ich ganz herzlich. Daniel Bein

Anmerkung: Die Fragen und entsprechenden Antworten wurden in ihrem Umfang gekürzt, inhaltlich aber beibehalten. Die thematischen Abschnitte wurden in ihrer Reihenfolge angepasst.

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