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Geophysik: An die Uni und ins All

10. Februar 2019 admin Keine Kommentare

Dieser Eintrag liefert eine kurze Geschichte der Entstehung des Instituts für Geophysik der Universität Hamburg (UHH) und enthält darüber hinaus ein Portrait des zur Zeit vermutlich populärsten ehemaligen Mitgliedes, dem eben aus dem All zurückgekehrten Kommandanten der internationalen Raumstation (ISS), Dr. Alexander Gerst. Ein Blog-Beitrag von Arne Glink.

Um zunächst eine grundlegende Frage vorwegzunehmen: Was ist Geophysik? Geophysik  bezeichnet die Wissenschaft von der Erforschung und Beschreibung der festen Erde mit den Methoden der Physik. Sie lässt sich aufteilen in verschiedene Fachbereiche wie Seismologie (Erdbebenforschung), angewandte Geophysik, Vulkanologie und Geodynamik.

Geschichte des Instituts für Geophysik (IfG)1

Die Geschichte des IfG beginnt bereits mehr als zwanzig Jahre vor der Gründung der UHH mit der Errichtung einer Horizontalpendel-Erdbebenstation 1898 durch den Privatgelehrten Richard Schütt. Diese wurde in den Folgejahren ausgebaut und als voll ausgestattete Haupt-Erdbeben-Beobachtungsstation der Oberschulbehörde als freies Staatseigentum übergeben.
Im Wintersemester 1911/12 bot Ernst Tam am „Hamburgischen Kolonialinstitut“ – dem Vorläufer der Universität Hamburg (UHH) – mit der Vorlesung „Grundzüge der neuen Erdbebenforschung“ die erste Vorlesung zu einem geophysikalischen Thema an. Nach der Gründung der UHH im Jahr 1919 erhöhte sich die Anzahl geophysikalischer Lehrveranstaltungen zunehmend. 1926 wurde ein ordentlicher Lehrstuhl für die Physik der festen Erde eingerichtet, welcher allerdings zunächst unbesetzt blieb.
Von Anfang an herrschte eine enge Zusammenarbeit mit den anderen beiden physikalischen Geowissenschaften, der Meteorologie und der Ozeanographie, in Form eines gemeinsamen Kolloquiums. Aufgrund der durch den Krieg entstandenen Schäden wurden sie in den Jahren 1948 bis 1964 im Geophysikalischen Institut vereinigt. Als erstes spaltete sich 1957 ein eigenständiges Institut für Meereskunde ab, 1964 gingen aus dem Geophysikalischen Institut das Meteorologische Institut und das Institut für die Physik des Erdkörpers (IPE) hervor.
1970 wurde das IPE mit der Abteilung für theoretische Geophysik zum heutigen IfG vereinigt. Die  Schwerpunkte des Instituts liegen seither in der marinen Geophysik sowie der angewandte Geophysik, insbesondere die Theorie der angewandten Seismik, der Seismologie und der Vulkanologie.

Portrait Alexander Gerst2

Alexander Gerst wurde am 3. Mai 1976 in Künzelsau in Baden-Württemberg geboren. Zwischen 1998 und 2003 studierte er Geophysik in Karlsruhe und Geowissenschaften in Wellington, Neuseeland, und schloss beides etwa zeitgleich mit einem Diplom bzw. Master ab. Seine ausgezeichnete Diplomarbeit beschäftigte sich mit „Shear wave Splitting“ unter dem neuseeländischen Vulkan Ruapehu. Von 2004 bis 2009 arbeitete er am IfG der UHH in der Vulkanologie an der Entwicklung wissenschaftlicher Instrumente für die vulkanologische Forschung. Hier schrieb er auch seine Dissertation über die Eruptionsdynamik des Mt. Erebus in der Antarktis, die er 2010 mit seiner Promotion abschloss.

Alexander Gerst vor der ISS. Foto: ESA

Seit 2009 ist Alexander Gerst Mitglied des ESA-Astronautenkorps. Als solches brach er am 28. Mai 2014 an Bord eines russischen Sojus-Raumschiffs zu seiner ersten Mission mit dem Namen „Blue Dot“ zur ISS auf. Damit ist er der elfte Deutsche im All und der dritte auf der ISS. Teil seiner Aufgaben als Bordingenieur während dieser Mission war auch die Durchführung zahlreicher wissenschaftlicher Experimente aus den Bereichen der Physik, Biologie, menschliche Physiologie und Strahlungsforschung. Die „Blue Dot“-Mission dauerte knapp fünfeinhalb Monate bis zum 10. November 2014.
Seit dem 6. Juni 2018 befindet sich Alexander Gerst auf seinem zweiten ISS-Aufenthalt, der „Horizons“-Mission, die im Dezember 2018 enden soll (Stand: November 2018). Wiederum ist die Durchführung einer Vielzahl von Experimenten vorgesehen. Ab dem 3. Oktober 2018 bis zu seiner Rückkehr auf die Erde war Alexander Gerst Kommandant der ISS.

Ich hoffe, dass die UHH und das Institut für Geophysik auch in den kommenden 100 Jahren weiterhin die Möglichkeit und den Ansporn zur Entwicklung herausragender Wissenschaftler/-innen und Persönlichkeiten wie Alexander Gerst bieten. Arne Glink

Quellen

1 Makris, J., Hirschleber, H.B., 1997. Geschichte des Geophysikalischen Instituts zu Hamburg. In: Neunhöfer, H., Börngen, M., Junge, A., Schweitzer, J. (eds.) Zur Geschichte der Geophysik in Deutschland, Hamburg, 78–81.

2 ESA: Biographie von Alexander Gerst, https://www.esa.int/ger/ESA_in_your_country/Germany/Biographie_von_Alexander_Gerst (Stand: 20.10.2018).

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